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Gott fällt nicht vom Himmel

Gott fällt nicht vom Himmel
Gott fällt nicht vom Himmel
Regina Weleda (Religionspäd. Amt) und Edwin Borg (Fachstelle Familienpastoral)
© Heiko DörrSpiri-Tools im Einsatz
© Heiko DörrSpiri-Tools im Einsatz
© Heiko DörrProf. Dr. Anna-Katharina Szagun
© A.K. SzagunLegematerial für das freie Analogisieren mit Kindern
© A.K. SzagunSo kann Trinität aussehen!

Wiesbaden. Zum ersten diözesanen Fachtag von Fachstelle Familienpastoral und Amt für kath. Religionspädagogik Wiesbaden-Rheingau-Untertaunus am 16.10. kamen rund 45 Interessierte aus Schule, Kita und Pfarreien.

Unter dem Titel „Wie kommt Gott in Kinderköpfe?“ referierte Frau Prof. em. Dr. Katharina Szagun über neue Erkenntnisse zur Entwicklungspsychologie und zur Entwicklung von Gottesbildern in der (frühen) Kindheit und Jugend. Sie hat dazu selbst in einer vielbeachteten Langzeitstudie sowohl im entkonfessionalisierten Bereich in Rostock als auch in konfessionell geprägten Gegenden geforscht, und sie ist daneben auch in der religionspädagogischen Praxis zuhause.

In ihrem Vortrag unterstrich sie die Bedeutung der Gottes-Beziehung vor dem Gottes-Verständnis. Deshalb seien die liebevolle und sensible Begleitung durch feste Bezugspersonen auch für religiöses Lernen im Sinne eines Modell-Lernens für die Entwicklung individueller Gottesbilder elementar. Man könne Glauben nicht anerziehen, heutzutage müsse es um gemeinsame „Expeditionen“ mit offenem Ausgang gehen. Nur wenn eine Gottesbeziehung angeboten und idealerweise auch vorgelebt werden kann, würden Kinder dem Geheimnis „GOTT“ begegnen, und könne sich deren Gottesbild individuell entfalten und entwickeln. Zahlreiche traditionelle Bilder und Begriffe, die wir religiös wie selbstverständlich nutzten, könnten jedoch Kinder verwirren bzw. einseitige Gottesbilder verfestigen.
Nicht selten blieben deshalb Menschen zeitlebens entweder auf der Stufe eines „naiven“ Gottesbildes stehen, oder verwürfen als Erwachsene mit ihrem Kinderglauben auch Gott ganz. Um dieser Gefahr zu begegnen - gerade in einer Zeit, in der religiöses Bekenntnis immer weniger mehrheitsfähig sei – gehöre es zu den elementaren Aufgaben von Eltern und Fachleuten der Religionspädagogik, traditionelle Begriffe aus Bibel und antiker Lebenswelt gekonnt zu übersetzen. Fragen der Kinder, die bereits im frühen Alter durchaus kritisch sein könnten, wären Sternstunden für die Pädagogik, weil man hier durch deren konstruktive Aufnahme dazu verhelfen könne, dass Glaubensinhalte existenziell verinnerlicht werden.

Nur Gott selbst kann wissen, ob es ihn gibt.

Sie plädierte dafür, auch zentrale Metaphern wie „Vater“ oder „Heiliger Geist“ zumindest in einer frühen Entwicklungsstufe ganz wegzulassen bzw. nicht wie selbstverständlich zu benutzen, um Kindern den Zugang zu einem eigenen Gottesbild zu ermöglichen. Dies habe weitreichende Auswirkungen auf unsere Praxis in Katechese und Liturgie. Gerade im Elementarbereich ergäben sich aber auch Chancen für multireligiöse Kontexte: wenn es eben um die Überzeugungen und Bilder geht, die wir mit anderen Religionen gemeinsam haben.
Die für die empirische Forschung von ihr eigens entwickelte Methode der Materialcollage (mit dem Material „Spiri-Tools“) wurde nicht nur anhand zahlreicher Beispiele erläutert, sondern konnte von den Teilnehmenden in Kleingruppenarbeit ausprobiert werden. Dies stieß einhellig auf Begeisterung, weil man so direkt auch mit den Kindern in der Praxis arbeiten kann.